von Thomas Fischer am 14.09.2026

Von der angestellten Physiotherapeutin zur eigenen Praxisinhaberin

Wie Julia Nagajew den Schritt in die Unternehmensnachfolge gegangen ist

Manche Gründungen beginnen nicht mit einem leeren Raum, einem weißen Blatt Papier und der Frage: „Wo fange ich bloß an?“
Manche Gründungen beginnen mitten im laufenden Praxisalltag.

So war es bei Physiotherapeutin Julia Nagajew aus Hoyerswerda.

Julia war bereits seit mehreren Jahren als Physiotherapeutin in der Praxis tätig, die sie später übernehmen sollte. Sie kannte die Patientinnen und Patienten, die Abläufe, die Räume und das Team. Fachlich war sie also längst angekommen. Der nächste Schritt war jedoch ein ganz anderer: Aus der angestellten Therapeutin sollte die Inhaberin einer eigenen Physiotherapiepraxis werden.

Julia Nagajew hat eine Praxis für Physiotherapie in Hoyerswerda übernommen. Foto: Susann Metasch

Julia Nagajew hat eine Praxis für Physiotherapie in Hoyerswerda übernommen. Foto: Susann Metasch

Und genau an dieser Stelle beginnt ein Beratungsprojekt, das viele typische Fragen einer Praxisnachfolge zusammenführt: Kaufpreis, Finanzierung, Businessplan, Bankgespräch, Anmeldungen, Marketing, Organisation und nicht zuletzt der persönliche Rollenwechsel von der Mitarbeiterin zur Chefin.

Die Ausgangssituation: Fachlich vertraut, unternehmerisch neu

Julia Nagajew übernahm in Hoyerswerda eine bestehende Physiotherapiepraxis und führt diese heute unter dem Namen Physio JuNo weiter.

Das ist eine besondere Ausgangslage. Eine Praxisübernahme ist keine klassische Neugründung, bei der alles bei Null beginnt. Es gibt bereits Patienten, Räume, Abläufe, Bekanntheit und eine regionale Verankerung. Gleichzeitig übernimmt man aber auch Verantwortung für Zahlen, Verträge, Entscheidungen, Finanzierung, Außenwirkung und Zukunftsentwicklung.

Kurz gesagt: Die Behandlungsliege bleibt dieselbe. Aber der Stuhl im Chefbüro fühlt sich plötzlich ganz anders an.

Genau deshalb ging es in der Beratung nicht nur darum, einen Businessplan zu schreiben. Es ging darum, Julia dabei zu unterstützen, die Übernahme fachlich, wirtschaftlich und persönlich sauber vorzubereiten.

Schritt 1: Die Praxisübernahme wirtschaftlich einordnen

Am Anfang stand die Frage: Ist die Übernahme wirtschaftlich sinnvoll?

Bei einer Praxisnachfolge reicht es nicht aus, nur auf den Umsatz zu schauen. Entscheidend ist, ob Kaufpreis, Kostenstruktur, Finanzierung, erwartete Einnahmen und persönliche Lebenssituation zusammenpassen.

In der Beratung wurden deshalb unter anderem folgende Punkte betrachtet:

  • Welche wirtschaftliche Grundlage bringt die bestehende Praxis mit?
  • Wie ist der Kaufpreis einzuordnen?
  • Welche Investitionen sind zusätzlich zur Übernahme notwendig?
  • Welche laufenden Kosten entstehen nach der Übernahme?
  • Welche Einnahmen sind realistisch planbar?
  • Welche Risiken müssen berücksichtigt werden?
  • Wie viel finanzieller Puffer wird benötigt?

Gerade bei einer Praxisübernahme ist diese Prüfung wichtig. Eine bestehende Praxis kann ein großer Vorteil sein, weil bereits Patientenstrukturen vorhanden sind. Gleichzeitig darf man sich davon nicht blenden lassen. Auch eine etablierte Praxis muss sich nach der Übernahme wirtschaftlich tragen.

Ziel war daher, aus einem Bauchgefühl eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu machen.

Schritt 2: Businessplan und Finanzplan für die Bank

Im nächsten Schritt wurden Businessplan und Finanzplan erstellt. Diese Unterlagen waren sowohl für die Bank als auch für Julia selbst gedacht.

Ein guter Businessplan beantwortet nicht nur die Frage: „Warum soll die Bank Geld geben?“
Er beantwortet vor allem die Frage: „Wie soll dieses Unternehmen funktionieren?“

Im Businessplan wurden unter anderem die Ausgangssituation, das Leistungsangebot, die regionale Einordnung, die Zielgruppen, die Chancen der Praxisübernahme und die geplante Weiterentwicklung beschrieben.

Der Finanzplan übersetzte diese Überlegungen anschließend in Zahlen. Dabei ging es um Umsatzplanung, Kostenplanung, Liquidität, Kapitalbedarf und die Frage, ob die Finanzierung realistisch tragbar ist.

Besonders wichtig war dabei die Liquidität (Grob gesagt: Der Kontostand im Laufe der Monate). Denn eine Praxis kann auf dem Papier rentabel sein und trotzdem in Schwierigkeiten geraten, wenn Zahlungen, Investitionen, Steuern, private Entnahmen und Darlehensraten nicht sauber geplant sind.

Schritt 3: Kontakt zur Bank und Finanzierung

Auf Grundlage des Businessplans und der Finanzplanung wurde der Kontakt zur Bank hergestellt. Ziel war es, die Finanzierung der Praxisübernahme sauber vorzubereiten und der Bank ein schlüssiges Gesamtbild zu vermitteln.

Dabei kommt es nicht nur darauf an, dass Zahlen in einer Tabelle stehen. Entscheidend ist, dass die Bank erkennt:

  • Julia kennt die Praxis.
  • Julia versteht ihr Vorhaben.
  • Julia ist eine erfahrene und fachlich gut qualifizierte Therapeutin
  • Die Finanzierung ist durchdacht.
  • Die Planung ist nachvollziehbar.
  • Die Übernahme hat eine wirtschaftliche Grundlage.

Am Ende konnte die Finanzierung erfolgreich umgesetzt werden. Die Bank gab das Darlehen heraus und damit war ein wesentlicher Baustein für die Unternehmensnachfolge gelegt.

Für Gründerinnen ist das ein wichtiger Punkt: Eine Bank finanziert nicht einfach eine Idee. Sie finanziert Vertrauen in eine Person, ein Konzept und eine wirtschaftliche Planung.

Schritt 4: Zeitlicher Ablauf und Anmeldungen

Neben Finanzierung und Planung musste auch der praktische Ablauf der Übernahme geklärt werden.

Eine Praxisnachfolge besteht aus vielen einzelnen Schritten, die in der richtigen Reihenfolge erledigt werden müssen. Dazu gehören unter anderem vertragliche Abstimmungen, betriebliche Anmeldungen, organisatorische Fragen, Abstimmungen mit Beteiligten und der Übergang in den laufenden Praxisbetrieb.

Gerade in Heilmittelpraxen ist wichtig, dass der Praxisbetrieb möglichst reibungslos weiterlaufen kann. Patientinnen und Patienten sollen Vertrauen behalten, Abläufe sollen funktionieren und die neue Inhaberin soll nicht schon in den ersten Wochen im Verwaltungsnebel verschwinden.

Deshalb wurde der zeitliche Ablauf strukturiert. Was muss vor der Übernahme passieren? Was ist zum Start wichtig? Was kann danach geordnet aufgebaut werden?

Diese Reihenfolge nimmt Druck aus dem Prozess. Denn wer alles gleichzeitig machen will, macht am Ende oft vieles halb. Und „halb“ ist in der Praxisgründung ungefähr so hilfreich wie ein Therapiegerät ohne Stromkabel.

Schritt 5: Lokales Marketing nach der Übernahme

Nach der erfolgreichen Übernahme war der nächste wichtige Punkt die regionale Sichtbarkeit.

Eine Praxisübernahme ist auch kommunikativ ein besonderer Moment. Die Menschen in der Region sollen verstehen: Die Praxis bleibt bestehen, aber sie bekommt ein neues Gesicht, eine neue Haltung und eine eigene Identität.

Bei Julia ging es deshalb um lokales Marketing und den Aufbau einer klaren Außendarstellung für Physio JuNo.

Dazu gehörten insbesondere:

  • die Positionierung der Praxis nach der Übernahme,
  • die Entwicklung einer klaren und sympathischen Sprache,
  • Hinweise zur Website-Struktur,
  • Inhalte für die Online-Sichtbarkeit,
  • die Optimierung des Google-Unternehmensprofils,
  • lokale Suchbegriffe wie Physiotherapie Hoyerswerda, Manuelle Therapie, Lymphdrainage, Krankengymnastik und Massage,
  • sowie die Frage, wie die Praxis für Patienten, Ärzte und regionale Partner sichtbar und vertrauenswürdig auftritt.

Beispielsweise entstand dabei ein wunderbarer Artikel auf Hoyte24.de, der in Social Media über 10.000 Aufrufe und viel positives Feedback einbrachte.

Außenansicht Physiotherapie Juno in Hoyerswerda nach der Praxisübernahme

Außenansicht Physiotherapie Juno in Hoyerswerda nach der Praxisübernahme. Foto Susann Metasch

Dabei war wichtig, dass die Außendarstellung nicht künstlich wirkt. Julia sollte nicht wie ein austauschbarer Praxisname auftreten, sondern als echte Inhaberin mit eigener Haltung.

Die Praxis sollte zeigen: Hier wird fachlich gut gearbeitet. Aber hier geht es auch menschlich zu. Familiär, freundlich, nahbar und mit Freude an der Arbeit.

Schritt 6: Der Rollenwechsel von der Angestellten zur Chefin

Ein besonders wichtiger Teil des Projekts war der persönliche Rollenwechsel.

Viele Gründerinnen im Heilmittelbereich unterschätzen diesen Punkt. Fachlich sind sie stark. Sie können behandeln, organisieren, mit Patienten umgehen und Verantwortung übernehmen. Aber die Rolle als Unternehmerin ist trotzdem neu.

Als Angestellte ist man Teil des Systems.
Als Inhaberin gestaltet man das System.

Das bedeutet: Entscheidungen treffen, Prioritäten setzen, wirtschaftlich denken, Mitarbeiter führen, Grenzen ziehen, Abläufe schaffen und gleichzeitig weiterhin therapeutisch arbeiten.

Bei Julia war dieser Rollenwechsel besonders spannend, weil sie die Praxis bereits von innen kannte. Das ist ein Vorteil, kann aber auch herausfordernd sein. Denn man ist nicht plötzlich ein anderer Mensch, nur weil auf dem Papier „Inhaberin“ steht.

In der Beratung ging es deshalb auch darum, Julia in dieser neuen Rolle zu stärken. Nicht laut, nicht künstlich, nicht mit Chefinnen-Gehabe. Sondern klar, ruhig und unternehmerisch – und vor allem authentisch.

Gute Führung beginnt nicht mit einem großen Auftritt. Gute Führung beginnt damit, dass man Verantwortung bewusst annimmt.

Was dieses Projekt besonders macht

Das Projekt mit Julia Nagajew zeigt sehr schön, dass eine Praxisgründung oder Praxisübernahme aus mehreren Ebenen besteht.

  • Es geht nicht nur um Zahlen.
    Es geht nicht nur um Marketing.
    Es geht nicht nur um Formulare.
    Und es geht auch nicht nur um Mut.
  • Es geht um das Zusammenspiel aus allem.

Eine gute Gründungsbegleitung (wie von Fischer Instruktionen) verbindet wirtschaftliche Planung, Finanzierung, praktische Umsetzung, regionale Sichtbarkeit und persönliche Entwicklung. Genau diese Verbindung macht den Unterschied zwischen „Ich mache mich irgendwie selbstständig“ und „Ich baue meine eigene Praxis bewusst auf“.

Julia brachte die fachliche Grundlage und die Verbindung zur Praxis bereits mit. Unsere Beratung half dabei, daraus ein tragfähiges unternehmerisches Konzept zu entwickeln.

Was andere Gründerinnen aus diesem Beispiel mitnehmen können

Aus diesem Projekt lassen sich mehrere wichtige Erkenntnisse ableiten:

  1. Erstens: Eine Praxisübernahme sollte immer wirtschaftlich geprüft werden. Ein bekannter Name und volle Terminpläne sind gut, ersetzen aber keine saubere Planung.
  2. Zweitens: Ein Businessplan ist nicht nur ein Dokument für die Bank. Er ist ein Denkwerkzeug für die Gründerin.
  3. Drittens: Finanzierung entsteht durch Vertrauen. Zahlen, Konzept und Persönlichkeit müssen zusammenpassen.
  4. Viertens: Lokales Marketing sollte bereits vor der Gründuing durchdacht und geplant werden. Die Sichtbarkeit sollte früh mitgedacht werden.
  5. Fünftens: Der Rollenwechsel zur Inhaberin ist ein echter Entwicklungsschritt. Wer vorher gut behandelt hat, muss danach zusätzlich gut entscheiden, organisieren und führen. Und er sollte die dafür notwendige Zeit einplanen!

Fazit: Eine Praxisnachfolge braucht mehr als einen Vertrag

Die Begleitung von Julia Nagajew zeigt, wie vielschichtig eine Praxisübernahme ist. Aus einer angestellten Physiotherapeutin wurde eine Praxisinhaberin mit eigener Marke, eigenem Konzept und eigener unternehmerischer Verantwortung.

Der Weg führte über Kaufpreisprüfung, Businessplan, Finanzplanung, Bankgespräch, Darlehensfinanzierung, Anmeldungen, Marketing und persönliche Rollenklärung.

Genau solche Projekte zeigen, warum Gründungsberatung im Heilmittelbereich so wertvoll ist. Es geht nicht darum, Gründerinnen theoretisch zu erklären, wie Selbstständigkeit funktioniert. Es geht darum, sie Schritt für Schritt durch echte Entscheidungen zu begleiten.

Und am Ende steht nicht nur eine fertige Planung.
Am Ende steht eine Inhaberin, die sagen kann:

Ich weiß, was ich tue.
Ich weiß, warum ich es tue.
Und ich weiß, wie ich meine Praxis weiterentwickeln möchte.

Über den Autor

Darum liebe ich die Zusammenarbeit mit HeilmittelerbringernThomas Fischer, Diplom Kaufmann, schreibt über selbst erlebte Geschichten von Existenzgründern und baut wichtiges Wissen zur Vorbereitung der Selbstständigkeit in seine Texte ein. Er freut sich jedes Mal wieder, wenn er von seinen Gründern hört, wie toll es ist, selbstständig zu sein. Wie toll es ist, dass diese in der Planung noch „unglaublichen Umsatzzahlen“ Realität werden. Wie toll es ist, plötzlich genügend Geld zur Verfügung zu haben, um sich auch privat mal etwas zu gönnen. Und wie schön es ist, dass fast alles so funktioniert, wie man es geplant hat.

Wenn Sie sich als Therapeut selbstständig machen oder eine Praxis kaufen möchten, finden Sie in Thomas Fischer und seiner Frau Nicole Fischer, Physiotherapeutin, die perfekten Ansprechpartner. Weitere Informationen gibt es unter fischer-instruktionen.de – Existenzgründungsberatung für Therapeuten.